Beobachtungs-Station Nr. 4: Aussicht auf einen Erlenbruchwald

1. In welche Richtung flossen an dieser Stelle die Schmelzwässer in der Eiszeit?

Das lässt sich auf eine interessant Art und Weise herausfinden. Dazu erschien im Jahr 1983 in den Berliner Geographischen Studien ein Band, der sich mit der Landschaftsentwicklung des Mittleren Travetals bei Bad Oldesloe beschäftigt.
Darin findet man eine Karte, die die Lage der Drumlins zeigt. Diese Drumlins oder Schildrücken zeigen die Stoßrichtung des Eises an, sie verlaufen parallel zur Fließrichtung der Gletscher. Auf der Drumlinkarte erkennt man, dass die Drumlins nördlich von Nütschau überwiegend in Nord-Süd-Richtung verlaufen, zwischen Schwissel und Wolkenwehe sind 52 Drumlins gezählt worden. Im Bereich von Bad Oldesloe zwischen Seefeld und Neufresenburg sind es 19 Drumlins, die in Richtung Nordost-Südwest verlaufen. Im Bereich zwischen Bad Oldesloe/Blumendorf und Reinfeld bis nach Trenthorst finden sich 151 Drumlins, bevorzugt wird hier die Ost-West-Richtung bzw. die Nordost- Südwest-Richtung. Daher weiß man, dass das Eis in der letzten Eiszeit im Raum Bad Oldesloe von zwei Seiten kam, von Norden und von Osten. Die Eisströme vereinigten sich hier und strömten dann nach Südosten in Richtung Elbeurstromtal. Die heutige Trave fließt also oberhalb von Bad Oldesloe in dieselbe Richtung wie das Eis, unterhalb von Bad Oldesloe aber entgegen der Eisfließrichtung.

Bilder zu Drumlins:
http://www.raonline.ch/pages/edu/nat/glacier01b10b.html

Nützliche Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Drumlin
siehe Aufsatz von CIMIOTTI, U. (1984)

2. Warum sind die Erlen im Brenner Moor meist mehrstämmig?

Erlen wurden früher für die Holznutzung gebraucht. Man hat sie in relativ kurzen Zeitabständen geschlagen, da die Erle sehr gut Stockausschlag betreibt. Das heißt, aus den Baumstümpfen treiben meist mehrere Seitentriebe aus, die dann in die Höhe wachsen und so den mehrstämmigen Baum ausbilden.
Solche mehrstämmigen Erlen findet man auch oft am Ufer der Trave. Auch hier liegt dies an der Art der Holznutzung. Um den Fluss möglichst frei von Bäumen zu halten, wurden die Uferbäume auch in kurzen Zeitabständen geschlagen. So bildeten sich auch hier die mehrstämmigen Erlen.

3. Warum wurden die Erlen nach 1945 zum Teil durch Pappeln ersetzt?

Nach 1945 wollte man möglichst schnell Nutzholz schaffen, da in den Nachkriegsjahren viele Wälder abgeholzt wurden. Die Pappel gehört zu den schnellwüchsigen Baumarten und wurde daher bevorzugt angepflanzt. Allerdings handelt es sich hier nicht um die in Flussauen heimische Schwarzpappel, sondern um Pappelhybriden, also Pappeln, die aus Kreuzungen entstanden sind. Dabei hat man meistens die Kanadische Schwarzpappel mit der einheimischen Schwarzpappel gekreuzt. Die Pappelhybriden bilden in kurzer Zeit dicke, gerade gewachsene Stämme. Heute braucht man das Pappelholz nicht mehr, aber die Pappeln aus den Anpflanzungen in den 50er Jahren stellen wegen ihrer geringen Standfestigkeit jetzt eine Gefahr an Wanderwegen dar und werden daher gefällt. Leider haben die Pappelhybriden die einheimischen Schwarzpappeln überall verdrängt.

Nützliche Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarz-Pappel

4. Wie entsteht ein Tunneltal?

Das Schmelzwasser unter dem Gletschereis hat eine große Bedeutung für die heutige Form des Mittleren Travetals. Es strömte in Höhlen unter dem Eis und transportierte gewaltige Schuttmassen mit sich. Damit grub es unter dem Eis breite Täler, die später nach dem Abschmelzen des Eises von Flüssen, hier der Trave, genutzt wurden.
So durchfließt die Trave ein Tal, das nicht – wie bei vielen anderen Flüssen – von ihr selbst, sondern vom Eis geschaffen wurde.