Beobachtungs-Station Nr. 6: Das NSG Brenner Moor – Schilfflächen und Hochstaudenriede aus zweiter Hand

1. Was versteht man eigentlich unter einem Moor?

Moore sind nasse Lebensräume, in denen Torfe gebildet werden, weil durch die hohen Wasserstände im Moor der Abbau der Pflanzenreste unter Sauerstoffmangel nur unvollständig erfolgen kann.
Moore prägen seit Jahrhunderten die Landschaft und die Landnutzung in Schleswig-Holstein. 1956 gab es noch etwa 180 000 Hektar Moorflächen (45 000 Hektar Hochmoor und 135 000 Hektar Niedermoor). Seitdem sind durch Torfzersetzung etwa 35 000 Hektar gänzlich verschwunden. Etwa 80 Prozent der Moorflächen in Schleswig-Holstein werden landwirtschaftlich meist als Grünland genutzt. Damit geht eine kontinuierliche Entwässerung einher. Nur etwa 30 000 Hektar sind als ökologisch hochwertig einzustufen. Während intakte, wachsende Hochmoore je Hektar jährlich 10 m3 Torf produzieren, in denen 0,8 t CO2 gespeichert sind, setzen entwässerte Moore jährlich ca. 8 t CO2, frei, also das 10-fache an CO2.
Moore prägten jahrhundertelang die Landschaft in Schleswig-Holstein, sind aber sehr stark durch Entwässerung, Torfabbau und Düngung für die landwirtschaftliche Nutzung zerstört worden. Damit verschwand auch der Lebensraum für die moortypischen Pflanzen, die sich in großer Zahl in der Roten Liste in Schleswig-Holstein befinden.
Heute gibt es zahlreiche Initiativen, die sich für den Moorschutz einsetzen und vor allem die Verbraucher zu torffreiem Gärtnern anleiten, damit nicht noch mehr Moore zerstört werden.

Nützliche Links:
http://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/A/artenschutz/Downloads/rl_pflanzen1_pdf.pdf
https://www.bfn.de/0311_moore-moorschutz.html
http://www.kreis-stormarn.de/freizeit/natur/index.html
http://www.bund.net/themen_und_projekte/naturschutz/moore/torf_abbau_und_verwendung/gaertnern_ohne_torf

2. Was unterscheidet ein Flachmoor von einem Hochmoor?

Unter den Naturschutzgebieten in Nordstormarn gibt es neben dem Naturschutzgebiet Brenner Moor auch das Naturschutzgebiet Nienwohlder Moor. An diesen beiden Mooren lassen sich die beiden Haupttypen von Mooren erklären: das Niedermoor und das Hochmoor.
Niedermoore haben Kontakt zum Grundwasser und zum mineralischen Untergrund. Sie bestehen – wie das Brenner Moor – aus Schilfflächen, Hochstaudenrieden und Seggenbeständen, aber auch aus Weidengebüschen und Erlenbrüchen.
Hochmoore haben keinen Kontakt zum mineralischen Untergrund, ihre Vegetation, die vor allem aus Torfmoosen besteht, muss mit Regenwasser auskommen. Die Torfmoose können in einem nährstoffarmen Milieu wachsen. Das Nienwohlder Moor bestand vor seiner Abtorfung aus einer überwiegend baumfreien Fläche, die im Wesentlichen von Torfmoosen aufgebaut wurde.
Die Geschichte des Hochmoores begann nach der letzten Eiszeit. Nach dem Rückzug des Eises entstand zunächst ein See, der zunehmend verlandete und damit zum Niedermoor wurde, dessen Vegetation die natürliche Sukzession bis zu einem Erlenbruch durchlief. Die aufwachsenden Torfmoose erstickten die Niedermoorvegetation und schufen über die Jahrtausende meterdicke Torfschichten. So entstand das Hochmoor, ein nur für wenige Arten geeigneter Lebensraum.

Nützliche Links:
http://www.kreis-stormarn.de/freizeit/natur/index.html

3. Warum war der Oldesloer Torf so minderwertig, dass man ihn kaum abgebaut hat?

Das ursprüngliche Brenner Moor ist bereits im 18. Jahrhundert ausgebeutet worden, denn die Oldesloer Bürger brauchten den Torf zum Heizen. Die Oldesloer Stadtarchivarin Frau Dr. Zander berichtet in ihrem Travebuch (2008) ausführlich über die schwere Arbeit des Abtorfens. Hinzu kam, dass die Oldesloer Saline mit Beginn der 19. Jahrhunderts zunehmend Torf anstelle von Holz verwendete.
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg von Ende 1945 bis 1947 wurde erneut Torf im Brenner Moor abgebaut, allerdings handelte es sich nur um Niedermoortorf, der die Reste der Wurzeln und Rhizome der Schilfpflanzen enthielt und nur einen geringen Heizwert hatte. Im Gegensatz zu den Hochmoortorfen lässt sich der Niedermoortorf schlecht pressen und zerbröselt leicht. Nur das völlige Fehlen von Brennmaterial nach dem Krieg erklärt, dass die Oldesloer Bürger den Torf als Brennstoff verwendeten. Einige Torfstiche sind noch heute im Schilf sichtbar, andere – zum Beispiel der Torfstich unterhalb der Kleingartenkolonie – sind vollständig verlandet.

Nützliche Literatur:
Zander, Sylvina Oldesloe – Die Stadt, die Trave und das Wasser, Wachholtz Verlag, Neumünster 2008