Beobachtungs-Station Nr. 8: Alte und neue Trave auf einen Blick

1. Wie kommt es zur natürlichen Mäanderbildung an der Trave? Welche Randbedingungen haben die Mäander begünstigt?

Mäander sind Flussschlingen, die sich im Travelauf vor allen in den Bereichen mit wenig Gefälle bildeten, also in der Schlamersdorfer Niederung oder in der Wolkenweher Niederung. In den Durchbruchstalstrecken mit steilen Hängen ist der Lauf der Trave überwiegend gradlinig.
Ein ungestörter Flusslauf mäandriert, wenn zufällige Unregelmäßigkeiten auf der Flusssohle die Reibung erhöhen. Dann wird Material an der Außenkurve (Prallhang) abgetragen, das sich an der Innenkurve (Gleithang) ablagert. So werden die Schlingen immer größer.

Bilder zu Mäandern:
http://www.spektrum.de/lexikon/geographie/maeander/4867

2. Welchen Sinn hatte die Begradigung im Jahre 1936?

In den Jahren 1934 bis 1937 wurden umfangreiche Regulierungsarbeiten an der Mittleren Trave durchgeführt. Diese Arbeiten fanden in den Gemeinden Sühlen, Tralau, Nütschau und Bad Oldesloe statt und waren Teil eines großen Arbeitsbeschaffungsprogramms der Nationalsozialisten. An vielen Stellen wurde überwiegend per Hand ein neues Travebett gegraben, das Material dann in Loren gefüllt und zur Verfüllung der Altarme verwendet. Auf diese Weise erhielt die Trave einen ziemlich geraden Verlauf, was einen zügigeren Wasserabfluss erlaubte. Auf diese Weise wurden die Grünlandflächen beiderseits des Flusses schneller entwässert und konnten besser bewirtschaftet werden.
Leider hatte sich durch die Begradigung die Fließgeschwindigkeit so stark erhöht, dass sich die anströmenden Wassermassen im Oldesloer Stadtgebiet stauten. Deshalb wurde von 1949 bis 1957 auch die Untere Trave reguliert, wobei der Lauf von Bad Oldesloe bis zum Elbe-Lübeck-Kanal um 2,7km verkürzt wurde.

3. Warum gibt es im Nütschauer Traveabschnitt von Natur aus keine Mäander?

Im Nütschauer Traveabschnitt kann man an der Travebrücke gut beobachten, wie der Fluss sich durch die Moränenlandschaft einen Weg gebahnt hat. Hier ist das Gefälle größer als in den Wiesentalabschnitten und die Fließenergie größer als davor und auch danach. Aber auch hier wurde in den Fluss eingegriffen, denn man holte die zahlreichen großen Steine, die der Fluss in diesem Bereich freigelegt hatte, als Baumaterial aus dem Fluss.
Eine ausführliche Darstellung der Traveregulierungen findet sich in Sylvina Zanders Buch über die Trave (2008).